100 Jahre - Chronik einer Genossenschaft
Einleitung
Die Geschichte einer Wohnungsbaugenossenschaft ist immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, des Zusammenhalts und des gemeinsamen Strebens nach sozialer Sicherheit. Mit dieser Chronik möchten wir die bedeutendsten Stationen und prägendsten Ereignisse unserer Genossenschaft festhalten – von den Anfängen bis in die Gegenwart.
Aus dem Bestreben heraus, bezahlbaren und sicheren Wohnraum für viele Menschen zu schaffen, wurde unsere Genossenschaft gegründet. Seitdem hat sie sich zu einer verlässlichen Größe in der regionalen Wohnungswirtschaft entwickelt.
Im Mittelpunkt unseres Handelns stehen damals wie heute die genossenschaftlichen Grundprinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Solidarität. Nicht Gewinn- oder Renditeerwartungen bestimmen unser Tun, sondern ausschließlich das Ziel, unsere Mitglieder durch die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum nachhaltig zu fördern. Erwirtschaftete Überschüsse dienen daher nicht der Gewinnmaximierung, sondern sind notwendig für die Rückführung von Darlehen, den Aufbau von Eigenkapital sowie die Finanzierung wichtiger Instandhaltungsmaßnahmen – und damit für den langfristigen Erhalt unseres Wohnungsbestandes.
Diese Chronik soll nicht nur Daten und Fakten dokumentieren, sondern auch die Menschen würdigen, die unsere Genossenschaft mit Leben gefüllt haben. Dies sind vor allem unsere langjährigen und engagierten Mitglieder sowie Mieterinnen und Mieter, die uns über Jahre die Treue gehalten haben. Natürlich aber auch die vielen verantwortungsvollen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder, Geschäftsführer sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in unserer Genossenschaft beschäftigt waren und sind. Ihr Einsatz und Vertrauen haben unsere Entwicklung bis heute maßgeblich geprägt.
Die Geschichte einer Wohnungsbaugenossenschaft ist aber auch die Erfolgsgeschichte realisierter Bauprojekte, attraktiver Wohnlagen, harter Fakten wie Jahresabschlüsse und richtungsweisender Entscheidungen, die den Fortbestand unserer Genossenschaft und den Erhalt des Wohnungsbestandes über die Jahre hinweg gesichert haben. Gehen Sie mit uns auf eine Reise durch die Jahrzehnte – durch Zeiten des Aufbaus, der Herausforderungen und des Wandels der Wohnkultur.
Gründung und Namensgebung unserer Genossenschaft
Die Gründung unserer Genossenschaft im Jahre 1926 fiel in die Zeit der Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg. Infolge von Industrialisierung, wirtschaftlichen Umbrüchen und anhaltender Land-Stadt-Wanderung zog es viele Menschen in die Ballungszentren, wo sie als Arbeiter, Handwerker oder Tagelöhner Beschäftigung suchten. Gleichzeitig herrschte eine große Wohnungsnot. Gerade die wirtschaftlich und sozial Schwachen begannen sich in Wohnungsbaugenossenschaften zu organisieren, um gemeinsam Lebensraum zu schaffen – sicher, bezahlbar und solidarisch.
Die Gründung unserer Wohnungsbaugenossenschaft am 23. Oktober 1926 war das Resultat des Bedürfnisses dieser Menschen nach guter Wohnqualität, sozialem Miteinander und langfristiger Sicherheit.
Als besondere Schwierigkeit stellte sich in dieser Zeit die Beschaffung notwendiger Kredite, Hypotheken und anderer Finanzierungsmittel dar, um den Ankauf von Grundstücken und die Realisierung der geplanten Bauprojekte zu bewerkstelligen.
Die Stadt Vohwinkel erkannte die Notwendigkeit, preiswerten und bedarfsgerechten Wohnraum für die arbeitende Bevölkerung im Bergischen Land zu schaffen. So konnte man sich dahingehend einigen, Grundstücke zum Selbstkostenpreis gegen Überschreibung von Geschäftsanteilen in die Genossenschaft einzubringen. Mit der Bereitstellung der Grundstücke war die Bedingung verknüpft, dass die unter dem Namen „Gemeinnütziger Bauverein e.G.m.b.H., Vohwinkel" gegründete Wohnungsbaugenossenschaft mit der ebenfalls in Vohwinkel ansässigen „Mein Heim e.G.m.b.H" Genossenschaft fusionieren sollte.
Am 21. April 1927 erfolgte schließlich der Zusammenschluss beider Genossenschaften. Seitdem trug die vereinigte Organisation den Namen „Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft, Vohwinkel e.G.m.b.H".
Mit der Fusion konnte eine Zersplitterung der Bauvereine in Vohwinkel erfolgreich vermieden werden. Es wurde ein einziges bestandsfähiges Unternehmen errichtet, das – wie wir heute stolz und glücklich feststellen – bis heute besteht. Der Zusammenschluss erleichterte die Kapitalbeschaffung zur Realisierung der ersten Bauprojekte, mit deren Umsetzung im Jahre 1927 im heutigen Dichterviertel begonnen wurde. Im gleichen Zuge wurde auch die Mitwirkung der Stadt an unternehmerischen Entscheidungen der Genossenschaft neu geregelt, indem Bei- und Stadtverordnete in den Vorstand sowie in den Aufsichtsrat berufen wurden.
Das Eigenkapital der Genossenschaft musste von Beginn an durch Geschäftsanteile der Mitglieder aufgebracht werden. Eine Wohnungsüberlassung an Mitglieder setzte die vollständige Einzahlung des Geschäftsanteils in Höhe von 300 Reichsmark (umgerechnet ca. 1.200 – 1.500 €) voraus. Dies stellte für viele Genossen eine sehr große finanzielle Hürde dar.
Potenzielle Mieter nahmen nicht nur die besondere Bauform der geschlossenen Siedlungsgenossenschaft wahr, sondern darüber hinaus auch die funktionale Aufteilung der Räumlichkeiten und Einbauten, wozu sowohl voll ausgestattete Küchen und Badezimmer gehörten, als auch die Errichtung von Spielplätzen in den Innenhöfen und den Bau von zentralen Waschhäusern.
Ausführender Architekt in dieser Zeit war Franz Perlewitz, welcher den damals richtungsweisenden Wohnungsbau in der Herder-, Geibel-, Lessing-, Storm- und Goethestraße prägte. So wurden bis Ende der 1930er Jahre in nur vier Jahren 206 Wohnungen mit einer Fläche von rund 11.100 Quadratmetern für 430 Mitglieder mit 731 Anteilen errichtet. 300 dieser Anteile waren zu dieser Zeit im Besitz der Stadt Wuppertal.
Als wichtiger Meilenstein der noch jungen Genossenschaft muss vor allem auch die Zuerkennung der „Gemeinnützigkeit" durch das Finanzamt Vohwinkel am 2. August 1929 genannt werden, wodurch die enorme Leistung unserer Vorgänger besonders honoriert wurde.
Ende der 1920er Jahre traf die Wirtschaftskrise unsere Genossenschaft hart. Die rapide steigende Inflation führte zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit, und das Bautempo verlangsamte sich deutlich. In dieser schwierigen Situation sah sich die Genossenschaft gezwungen, erstmals Teile ihres Grundbesitzes zu veräußern.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann eine besonders schwierige Zeit. Parteien und Gewerkschaften wurden verboten. Auch Genossenschaften unterlagen einer ideologischen Umgestaltung. Unsere Genossenschaft wurde gewaltsam besetzt, der Vorstand abgesetzt, verfolgt und unter Hausarrest gestellt. Den ehemals ehrenamtlich tätigen und dem Gemeinwohl verpflichteten Vorstandsmitgliedern wurden Vorwürfe von Korruption und Veruntreuung genossenschaftlichen Eigentums gemacht. Satzung und Mitgliederversammlungen verloren ihre Bedeutung. Viele Mitglieder wurden politisch verfolgt und einige mussten ihre Wohnungen räumen, um Platz für Parteigänger zu schaffen.
Resümierend ist für diese Zeit festzuhalten, dass unsere Genossenschaft ihre Bautätigkeit gänzlich einstellte und sich auf die Verwaltung der bestehenden Wohnungen beschränkte. Aufgrund der mangelnden Wertstabilität des umlaufenden Geldes führte die Genossenschaft zeitweise die halbmonatliche Mietzahlung ein.
Am 27. August 1942 wurde die Verschmelzung unserer Genossenschaft mit dem Beamtenbauverein vollzogen. Daraus resultiert unser heutiger Name „Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Wuppertal West". Der Bestand wuchs um die sich noch heute im Besitz der Genossenschaft befindlichen Wohngebäude in der Edda-, Funck- und Matthäusstraße.
Glücklicherweise blieb die Genossenschaft von großen Kriegsschäden verschont – lediglich in der Herderstr. 22–24 entstand ein Schaden durch Bombeneinwirkung in der Silvesternacht 1944/45.
Nachkriegszeit
Nach Ende des Krieges lag die Stadt in Trümmern und die Not der Menschen war unermesslich. Korruption und Schwarzhandel erschwerten den Wiederaufbau zusätzlich. Neuer Wohnraum musste dringend geschaffen werden – sowohl für die in der Stadt verbliebenen Menschen als auch für die Heimkehrenden und Heimatvertriebenen.
Die Genossenschaft konnte in dieser Zeit auf ihren alten Geschäftsführer Karl Kolass zurückgreifen. Unter seiner Regie wurden die Ärmel hochgekrempelt und das Unmögliche möglich gemacht. Material für den Hausbau war damals über den Einzelhandel nicht zu beziehen. „Hamstern" und der Schwarzmarkt waren die üblichen Quellen.
Eine wirtschaftliche Beruhigung brachte erst die Währungsreform im Jahre 1948, die eine neue Ära des Wohnungsbaus und neue Chancen für Planung, Finanzierung und Baudurchführung eröffnete.
1951 feierte die Genossenschaft ihr 25-jähriges Jubiläum und man konnte stolz auf 12 Häuser bzw. 87 Wohnungen zurückblicken, die in der Nachkriegszeit errichtet worden waren. Weitere 105 Wohnungen waren bereits in Planung.
In den Jahren 1953 bis 1960 verfolgte unsere Genossenschaft eine expansive Bautätigkeit, die sie gleichzeitig auf einen schmalen Pfad der Illiquidität führte. Die Beschaffung von Kapital wurde zunehmend schwieriger, weshalb sie verstärkt auf eigene Mittel zur Finanzierung setzte. Um die Kosten im Griff zu behalten, kürzte die Genossenschaft die Verwaltungsausgaben, verzichtete auf Ersatz für altersbedingt ausgeschiedene Mitarbeiter und stellte die gesamte technische Abteilung samt Instandhaltungswerkstatt ein.
In den Jahren 1955 bis 1958 realisierten wir sowohl Bauvorhaben in der Mackensen-, Gneisenau- und Stackenbergstraße („Sonnensiedlung"), als auch in der Opphofer Straße und Am Opphof. In den 1960er Jahren wurden unter anderem die Bauprojekte Höhe, Gräfrather- und Haaner Straße fertiggestellt.
Ein Artikel des Generalanzeigers vom 27. Dezember 1960 lobte die „Sonnensiedlung" in Vohwinkel für ihre Fortschritte in der Wohnkultur und würdigte sie als Vorbild für die regionale Wohnungswirtschaft. Besondere Erwähnung fanden die gepflegten Grünanlagen mit Kinderspielplätzen und Sitzgelegenheiten zum Verweilen. Würdigung fanden auch die Ausstattung der Wohnungen mit Kochnischen, Einbauschränken, voll ausgestatteten Badezimmern sowie die Bereitstellung von Zentralwäschereien mit elektrisch betriebenen und gasbeheizten Waschmaschinen mit Zentrifugen und einer Heißmangel mit Selbstbedienung.
Einen entscheidenden personellen Einschnitt erlebte die Genossenschaft 1965 nach dem Tod ihres langjährigen Geschäftsführers Karl Kolass. Mit Wolfgang Dobbert stellte sie sich neu auf, unterstützt von dem erfahrenen Vorstandsmitglied Karl Benn. Unter dieser neuen Leitung konnte die Genossenschaft die Bauvorhaben an der Höhe und Gräfrather Straße erfolgreich abschließen und die planerischen Vorarbeiten für die Haaner Straße fortführen.
Aufgrund der Ende der 1960er Jahre einsetzenden Rezession war die Genossenschaft zu einem rigiden Sparkurs gezwungen. Dieser Sparkurs zahlte sich lange Zeit aus. Die Vermietbarkeit der Wohnungen konnte aufrechterhalten werden.
Anfang der 1970er Jahre war der Höhepunkt der Wohnungsnot überschritten. Im Jahre 1975 waren fast 1 Million Wohnungen im gesamten Bundesgebiet leerstehend. Gegen die Wohnungswirtschaft wurde erstmalig offen die Kritik geäußert, Wohnungen am Bedarf vorbei gebaut zu haben. Baukosten und Miethöhe im sozialen Wohnungsbau hatten astronomische Zahlenwerte erreicht.
Im Umbruch der 1970er Jahre vollzog sich eine Verjüngung im Aufsichtsrat der Genossenschaft. Durch die Berufung von Horst Jünkersfeld (1974) und Peter Jörgens (1975) in den Vorstand konnte eine Verbesserung der Zusammenarbeit der Gremien der Genossenschaft erzielt werden.
1970 erschien erstmals das Heft „Mitteilungen", mit dem unsere Genossenschaft einen jährlichen Geschäftsbericht präsentiert. Das Heft sorgte einerseits für mehr Transparenz bei den Mitgliedern durch Offenlegung der Zahlen. Andererseits rief es Interessierte zur Beteiligung am genossenschaftlichen Geschehen auf, was auch durch die jährliche Mitgliederversammlung Bestätigung fand.
In den frühen 1970er Jahren haben wir aus wirtschaftlichen Gründen erstmals eine Bestandsimmobilie in der Arndtstraße (Laubenganghaus) abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, in dem fortan auch unsere Verwaltung ihren Sitz finden sollte. Darüber hinaus wurde der Wohnungsbestand der Genossenschaft durch Neuerwerb am Goetheplatz (Gebhardt-Häuser) und in der Saarschleife erweitert.
Leider können in dieser Chronik nicht alle Bauvorhaben unserer Genossenschaft aufgeführt werden. Im Folgenden konzentrieren wir uns auf die in den letzten Jahren realisierten Bauvorhaben, den Erwerb von Bestandsimmobilien, zuletzt durchgeführte Modernisierungen sowie auf die Herausforderungen der Wohnungswirtschaft und politischen Entwicklungen der kommenden Jahre.
Neubauten und Immobilienzukäufe (1987 – heute)
In den Jahren 1987 und 1993 entstanden die Neubauprojekte Heinrich-Bammel-Weg 1–7 (48 Wohnungen) und Heinrich-Bammel-Weg 11–21 (70 Wohnungen). Hierfür wurden öffentliche Mittel in Anspruch genommen, wodurch sich bis heute ein Belegungsrecht der Stadt Wuppertal ableitet. Für das Bauprojekt Heinrich-Bammel-Weg 11–21 wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, der vom Architektenbüro Prof. Pötter gewonnen und später auch mit einem Bauherrenpreis ausgezeichnet wurde.
Im Jahre 1990 erwarben wir zwei Häuser in der Schillerstr. 8 und 10 mit insgesamt 26 Wohnungen, 8 Garagen und einer gewerblichen Einheit. Beide Häuser wurden 1973 erbaut. Auch hier wurden öffentliche Gelder in Anspruch genommen, weshalb die Stadt zum Zeitpunkt des Eigentumsübergangs noch über ein Belegungsrecht verfügte.
1995 entstanden 5 freifinanzierte Wohnungen durch den Ausbau bisher ungenutzter Dachgeschosse in den Wohngebäuden Heinrich-Bammel-Weg 1, 3 und 7.
Im Jahre 1998 haben wir Neubauprojekte in der Bissingstr. 10–12 (16 Wohnungen) und Gneisenaustr. 7 (14 Wohnungen) realisiert. Bei der Finanzierung der Wohngebäude wurden ebenfalls öffentliche Fördermittel in Anspruch genommen.
Im Jahr 2003 errichtete unsere Genossenschaft ein weiteres Wohngebäude in der Heinrich-Heine-Str. 30 mit 7 Wohnungen und 3 Garagen. Geplant wurde die Immobilie vom Architektenbüro Karl-Heinz Harguth.
Am 12. November 2013 erwarb die Genossenschaft einen Teil des Immobilienportfolios, welches sich zuvor im Eigentum des VdK NRW (Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten und Sozialrentner Deutschlands) befand. Es handelt sich hierbei um 7 Gebäude mit 19 Wohnungen und 4 Garagen in der Friedensstr. 38–50 sowie 3 Gebäude mit 12 Wohnungen und 6 Garagen in der Otto-Bock-Str. 1–5. Seitdem wurden in allen Objekten umfangreiche Modernisierungen durchgeführt, u. a. der Einbau von drei Zentralheizungsanlagen mit Wärmepumpen in der Friedensstraße.
Unser letztes Neubauprojekt realisierten wir 2018 in der Gneisenaustr. 3 mit 9 barrierefreien Genossenschaftswohnungen in gehobener Ausstattung. Der Neubau wurde von dem Wuppertaler Architektenbüro Schutte und Schwarz geplant und begleitet. Mit der Baumaßnahme konnte eine Baulücke in der Gneisenaustraße geschlossen werden. Die Immobilie liegt in direkter Nachbarschaft zu unseren Häusern Gneisenaustr. 5–7, die aus den Jahren 1980 und 1998 stammen.
Instandhaltung und Modernisierung
Unsere Genossenschaft verfolgt eine Geschäftspolitik, die durch gezielte Modernisierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen die Vermietbarkeit der Wohnungen und damit den Erhalt des Unternehmens kontinuierlich sichert.
Während sich in den 1980er, 1990er bis hin in die frühen 2000er Jahre die Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten auf Wärmeschutzisolierungen der Fassaden, Dachneueindeckungen, Heizungs- und Badmodernisierungen, Freilegung und Außenisolation der Fundamente konzentrierte, haben wir seit 2007 begonnen – zumindest dort, wo es technisch und aufgrund der Grundstücksgegebenheiten möglich ist – unsere Häuser mit Vorstellbalkonen auszustatten. Seitdem haben 374 Wohnungen einen Balkon erhalten. Es sind noch weitere Balkonanbauprojekte geplant.
In 42 Zentralheizungen wurde die Anlagentechnik modernisiert, zusätzlich kamen 9 neue Heizungsanlagen hinzu. Inzwischen betreibt unsere Genossenschaft 6 Heizungen mit elektrischen Wärmepumpen. Weitere umfangreiche Projekte für die Dekarbonisierung unserer Heizungsanlagen sind geplant.
Auf 90 Wohngebäuden haben wir die Dächer saniert und neu gedämmt. Dabei erhielt unsere Geschäftsstelle im Jahr 2025 eine Photovoltaikanlage.
713 alte Wohnungseingangstüren wurden durch neue ersetzt. Dadurch wurden die Einbruchssicherheit und der Schallschutz erheblich verbessert.
Bei Bedarf führen wir seit vielen Jahren in unseren Wohnungen Modernisierungsmaßnahmen durch. So erhielten in den letzten 10 Jahren 207 Wohnungen ein modernisiertes Badezimmer. Ebenfalls haben wir in 118 Wohnungen die Elektroinstallation auf den neuesten technischen Stand gebracht.
Für die Fahrrad-Mobilität betreibt unsere Genossenschaft inzwischen 15 Fahrradgaragen, weitere sind in Planung.
Herausforderungen der Wohnungsgenossenschaften in den nächsten Jahren
Wohnungsbaugenossenschaften stehen in den kommenden Jahren vor komplexen Herausforderungen, die durch wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind. Besonders stark wirken sich steigende Grundstücks-, Bau-, Energie- und Finanzierungskosten aus, die dazu führen, dass sowohl Neubauprojekte als auch notwendige Sanierungen teurer werden. Der Erhalt sowie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum werden hierdurch deutlich erschwert.
Hinzu kommen wachsende Anforderungen durch gesetzliche Vorgaben, insbesondere im Bereich Klima- und Umweltschutz. Investitionen in energetische Sanierungen, moderne Heizsysteme und erneuerbare Energien sind unverzichtbar, erhöhen jedoch den finanziellen Druck. Parallel dazu verlangen langwierige Genehmigungsverfahren und komplexe Regelungen ein hohes Maß an Planungssicherheit und organisatorischem Aufwand.
Auch der demografische Wandel stellt Wohnungsbaugenossenschaften vor neue Aufgaben. Während in Ballungsgebieten die Nachfrage nach Wohnraum weiter steigt, kommt es in ländlichen Regionen teilweise zu Leerständen. Zudem wächst der Bedarf an barrierefreien, altersgerechten und flexiblen Wohnformen. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Digitalisierung, innovative Wohnkonzepte und nachhaltige Quartiersentwicklung an Bedeutung.
Insgesamt müssen Wohnungsbaugenossenschaften künftig einen anspruchsvollen Balanceakt zwischen Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung bewältigen, um langfristig erfolgreich zu bleiben.
Unsere Genossenschaft konnte in den vergangenen Jahrzehnten finanzielle Vorkehrungen treffen, um sich den großen Herausforderungen und Problemen zukünftiger Jahre zu stellen.
Unter anderem können wir aufgenommene Darlehen und öffentliche Finanzierungsmittel vollständig aus den von uns erwirtschafteten Mitteln tilgen. Unser Eigenkapitalanteil steigt von Jahr zu Jahr an. In den letzten Jahrzehnten erfolgen jährlich Zuführungen in die Ergebnisrücklagen.
